Im dritten Teil der Miniserie Phytotherapie geht es um die Qualität der Kräuter, denn damit steht und fällt jedes noch so gut ausgetüftelte Therapiekonzept. Ich erkläre dir, welche Faktoren die Kräuterqualität beeinflussen und worüber du dir beim Einkauf Gedanken machen solltest.

5 Kriterien zur Qualität von Kräutern

1. Welche Pflanzenbestandteile sind wertvoll?

Jede Pflanze besitzt verschiedene Reservoire in ihren Einzelbestandteilen, in denen Inhaltsstoffe mehr oder weniger gut angereichert werden. Informiere dich, welche Bestandteile besonders wertvoll sind und die höchste Konzentration an wirksamen Inhaltsstoffen besitzen. So sind bei der Mariendistel die Samen wesentlich gehaltvoller als das oberirdische Kraut.

2. Woher stammt die Pflanze?

Je nachdem, woher eine Pflanze ursprünglich stammt, kann es Sinn machen, auf den Import zurückzugreifen. Alle Pflanzen benötigen ein bestimmtes Milieu und bestimmte Umweltbedingungen, um kraftvoll zu wachsen und ihr Potential zu entwickeln.

3. Wie wurde die Pflanze angebaut und weiterverarbeitet?

Der Anbau und die Weiterverarbeitung von Kräutern sind sehr anspruchsvolle und aufwendige Prozesse. Im Idealfall werden die Pflanzen während des Wachstums vollumfänglich ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt, werden schonend geerntet, getrocknet und weiterverarbeitet. Da es sich aber um Naturprodukte handelt, spielen auch unlenkbare Faktoren wie Witterungsbedingungen eine wichtige Rolle, sodass die Qualität von Jahr zu Jahr durchaus schwanken kann.

4. Enthalten die Kräuter genug wirksame Inhaltsstoffe?

Insbesondere bei sehr günstigen Kräutern oder der eigenen Ernte aus dem eigenen Garten ist es manchmal fraglich, wie viele wirksame Inhaltsstoffe diese tatsächlich enthalten. Daher ist es im Zweifel angebracht, die Qualität der Kräuter zu hinterfragen und auf geprüfte Ware zurückzugreifen (Stichwort: Lebensmittelqualität und Arzneibuchqualität).

5. Hast du Vertrauen zu deinem Kräuterhändler?

Der Kauf von Kräutern ist absolute Vertrauenssache. Vergleiche Angebote nicht nur auf Grundlage des Preises sondern auch nach der Transparenz der Angaben und Informationen, die dir der Händler geben kann. Trau dich, im Zweifel zu Fragen!

Noch mehr Informationen zum Thema erhältst du in der Podcast-Folge #03 Qualität von Kräutern. Außerdem kannst du dir meinen Beitrag dazu in voller Länge hier noch einmal durchlesen:

Willkommen im dritten Teil der Phytoserie!

Neben den Basics der Konzepterstellung für die Behandlung deines Pferdes, die wir uns in letzten Folge angeschaut haben, gibt es ein paar Punkte, die dir den Erfolg einer Kräutergabe madig machen können. Manchmal ist es nämlich so, dass eine Kräutermischung verfüttert wird und einfach nichts passiert und das Pferd so gar keine Reaktion zeigt. Das kann zum Beispiel an der falschen Dosierung oder Art der Verabreichung liegen (das schauen wir uns in einer anderen Folge noch genauer an). Sehr häufig sind die Kräuter auch einfach falsch ausgewählt. Das wäre dann ein typischer Anfängerfehler, kann aber durchaus auch erfahrenen Therapeuten passieren. Denn du behandelst mit deinem Konzept ein Individuum und deshalb kann nie mit hundertprozentiger Gewissheit gesagt werden, dass das, was du dir im Kopf ausgetüftelt hast, auch so wirkt, wie du es erwartest. Was aber oftmals einen maßgeblichen Anteil am Erfolg oder Misserfolg einer Phytotherapie hat, ist die Qualität der genutzten Kräuter. Und diese schauen wir uns jetzt ein bisschen genauer an.

Um tatsächlich im Pferdekörper wirken zu können, benötigen die Kräuter, die du deinem Pferd zur Verfügung stellst, ein bestimmtes Maß an wirksamen Inhaltsstoffen. Nehmen wir das Beispiel der Mariendistel, die du zur Unterstützung der Leber ausgewählt hast. Stellst du die in der Mariendistel vorhandenen, wirksamen Bestandteile in ausreichender Menge deinem Pferd zur Verfügung, regen diese zum Beispiel die Leber an, neue Zellen zu Bilden oder sich zu regenerieren. Da stellt sich die erste Frage: welcher Pflanzenbestandteil beinhaltet denn diese benötigten Inhaltsstoffe? Im Fall der Mariendistel befindet sich der wertvolle Inhaltsstoff zum Beispiel in den Samen der Pflanze. Das heißt, dass es effektiver ist, Mariendistelsamen zur Leberkur zu verfüttern statt des oberirdisch wachsenden Krauts. Im Vergleich dazu besitzt der kraftvolle Löwenzahn sowohl in der Wurzel als auch in den Blättern und Blüten sehr viele wertvolle Inhaltsstoffe. Hier macht es also Sinn, das ganze Kraut inklusive Wurzel zu verfüttern. Bei anderen Pflanzen wiederum ist es angebracht, nur die Blätter oder nur die Blüten zu nutzen. Das heißt also, du dir beim Kauf von Kräutern darüber im Klaren sein musst, welche Pflanzenbestandteile du tatsächlich erwerben möchtest, um deinem Pferd die wirksamen Inhaltsstoffe zur Verfügung stellen zu können.

Ein weiterer Parameter, der einen großen Einfluss auf die Qualität eines Krauts nimmt, ist das Milieu, in dem es aufgewachsen ist. Wie unsere Pferde und wir auch benötigen Kräuter eine Umgebung zum Leben, in der sie sich wohl und Zuhause fühlen. Wie alle Pflanzen benötigen auch Kräuter Licht, Wasser und Nährstoffe und haben bestimmte Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen, damit sie vital und stark wachsen. Das ist auch die Grundlage dafür, dass sie ihre Inhaltsstoffe auch entwickeln. Deshalb ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass der gewerbliche Anbau von Kräutern eine große Herausforderung ist. Denn auch wenn die Kräuter vollumfänglich und ohne Schadstoffe versorgt werden, ist der Anbau nicht nur aufwendig, sondern auch stark von der Witterung abhängig. Und da wir es immer mit einem Naturprodukt zu tun haben, kann es auch vorkommen, dass die Qualität nicht hundertprozentig optimal ausfällt. Um eine höchstmögliche Qualität zu erwerben, macht es also Sinn, auf die Herkunft der Kräuter zu achten und bestenfalls eine geprüfte Qualität, vielleicht sogar als Bioprodukt, zu kaufen. Dann kannst du dir sicher sein, dass du deinem Pferd hochwertige Kräuter gibst, die sorgfältig aufgezogen, mit Sachverstand getrocknet und weiterverarbeitet wurden und keine Schadstoffe beinhalten. Bei sehr günstigen Kräutern ist oftmals fraglich, inwieweit der aufwendige Anbau- und Verarbeitungsprozess tatsächlich qualitativ hochwertig durchgeführt wurde.

Manche Kräuter sind es meiner Meinung nach auch wert, aus fernen Ländern importiert zu werden. Nicht jedes Kraut wächst an jedem Ort gleich gut und manche Kräuter werden in Deutschland oder Europa einfach nicht die optimalen Standortbedingungen finden, die sie benötigen. So benötigen zum Beispiel Vitalpilze ein sehr spezielles und angestammtes Milieu, in dem sie kraftvoll und gut gedeihen und sich entsprechend entfalten können.

Wenn du dir wirklich sicher sein möchtest, wie deine Kräuter tatsächlich behandelt wurden, kannst du sie natürlich auch bei dir selbst anbauen, wenn die Bedingungen passen. Ob im Garten oder an der Pferdeweide macht da keinen Unterschied. Du weißt, was mit ihnen über das Jahr passiert und kannst sie beobachten, mit den Pflanzen leben. Du hast die Möglichkeit, den idealen Erntezeitpunkt abzupassen und hast auch eine ganz andere energetische Beziehung zu diesen Pflanzen als zu denen, die du in einem Shop kaufst. Aber auch bei diesen Pflanzen wirst du nie wissen, wie hoch der tatsächliche Gehalt der Inhaltsstoffe ist. Dennoch kann diese Variante meiner Erfahrung nach gut funktionieren. Es kann jedoch durchaus passieren, dass der Thymian, den du im Baumarkt gekauft und liebevoll aufgezogen hast, doch nicht den nötigen Gehalt an Thumol enthält, um deinem Pferd bei einem Atemwegsinfekt wirklich zu helfen. Thumol sorgt dafür, dass sich der Schleim in der Lunge deines Pferdes verflüssigt und besser abgehustet werden, muss jedoch in einer ausreichenden Konzentration vorliegen, um zu wirken. Hier heißt es also wieder, dass du dein Pferd gut beobachten und im Zweifel dein Konzept abändern oder dir Hilfe suchen solltest.

Der Kauf von Kräutern ist immer eine Vertrauenssache und je mehr du dich mit dem Thema auseinandersetzt, desto besser wird auch dein Gespür dafür werden. Wenn du keinen Erfolg mit deinem Therapiekonzept hast, hinterfrage also dein Konzept an sich, deine Dosierung und die Qualität der Kräuter – und die Verabreichungsart, über die wir uns in der nächsten Folge unterhalten.

Deine

Vicky Hollerbaum

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