Das Sommerekzem beim Pferd ist in jedem Jahr wieder ein sehr präsentes Thema. Wenn dein Pferd unter einem Sommerekezem leidet, dann ist jeder Tag für dein Pferd ein bisschen wie Silvester. Der ständige Stress, unter dem dein Pferd steht, wirkt sich auf körperlicher und seelischer Ebene aus und eröffnet damit ganz unterschiedliche Baustellen, bei denen du dein Pferd unterstützen kannst und musst. In dieser Podcast-Folge erhältst du von mir einen Einblick in das große Konstrukt Sommerekzem und Hilfestellungen, wie du deinem Pferd aber auch dir selbst in dieser schweren Phase helfen kannst.

Kraftpferd-Sprechstunde über Silvester

Noch mehr Informationen zum Thema erhältst du in der Podcast-Folge #08 Sommerekzem – Stress im Hochsommer. Außerdem kannst du dir meinen Beitrag dazu in voller Länge hier noch einmal durchlesen:

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In der achten Folge geht es um das Sommerekzem. Auch wenn diese Folge bereits im Hochsommer erscheint und sich manch einer denken wird, dass dieses Thema fast durch sein müsste. Leider ist dem nicht so. Mich erreichen immer wieder Anfragen von Pferdebesitzern, deren Pferden es schlecht geht und durch das Sommerekzem stark belastet sind. Bei diesen Anfragen und den Telefonaten zum Thema fühle ich sehr mit und spüre auch, wie viel Stress so ein Sommerekzemer dem Besitzer bereitet.

Um aus Therapeutensicht gut zu unterstützen, macht es Sinn sich den aktuellen Zustand der Lage einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen um zu verstehen, dass sich das Sommerekzem nicht nur auf die Haut eines Pferdes auswirkt. Viel mehr wirkt sich das Sommerekzem auf ganz vielen Ebenen aus und da macht es Sinn zu schauen, wo man tatsächlich gerade gut unterstützen kann. Einerseits haben wir die körperliche Ebene, also die Allergie des Immunsystems und die daraus resultierenden Probleme.

Aber wir haben auch die seelische Ebene und die Belastungen, die sich aus dem Ekzem ergeben. Da sind der Stress und die Angst, wenn das Pferd vor den Kriebelmücken flüchten muss. Und diese seelische Last hat nicht nur Auswirkungen auf das betroffene Pferd, sondern auch auf seine Umgebung – seine Herde aber auch seinen Besitzer.

Auch für die Besitzer ist das Sommerekzem ihres Pferdes oftmals eine massive Belastung. Ich kann dem nachempfinden, denn auch ich habe als Stallbetreiberin einen Sommerekzemer betreut und habe dadurch viel gelernt und viel beobachten können. Meine gute Nachricht dabei ist: es wurde jedes Jahr ein bisschen besser. Dank kontinuierlichem Dranbleiben der Besitzerin, der passenden Therapie und der richtigen Umgebung in einer unterstützenden Herde.

Um herauszufinden, an welchem Punkt du dein Pferd gerade am besten unterstützen kannst, hilft es, dich in die Lage deines Pferdes hineinzuversetzen. In das Pferd hinein zu fühlen, das seit April mit den Kriebelmücken zu kämpfen hat und seit Monaten gar nicht mehr so richtig zur Ruhe gekommen ist. Es hat ständig die Sorge, dass es gestochen wird und massiven Stress, weil es vor den Kriebelmücken flüchten möchte. Es zieht sich, wenn möglich, in geschützte Areale wie den Stall zurück und separiert sich dadurch – besonders in den eigentlich angenehmen Dämmerstunden – von der Herde.

Dieser soziale Rückzug wirkt sich nicht nur negativ auf das Pferd, sondern die ganze Herde aus. Je nach Charakter deines Pferdes wird es diesen Zustand lethargisch und zurückgezogen erdulden oder aber unruhig und ärgerlich werden, was wiederum zu Streitereien in der Herde führen kann. Die Unruhe und Separation des Pferdes wirkt sich häufig auf die gesamte Herdendynamik aus.

Dein Pferd fühlt sich also in seiner Haut absolut nicht wohl, leidet unter den Stichen und unter der Sorge, gestochen zu werden. In so einem Zustand ist gar keine Erholung mehr möglich. Ich stelle mir dies wie eine nicht enden wollende Silvesternacht vor. Mit jedem Stich und Biss wird die Histaminausschüttung im Körper aktiviert. Das Pferd befindet sich in einem ständigen Zellerneuerungsprozess und schließlich ist da auch noch der massive Juckreiz. Diesen kann das Pferd nicht selbst steuern, er wird durch den eigenen Hormonhaushalt bestimmt. Sich zu Jucken ist eine Art Überlebensinstinkt, was für den Moment für eine Erleichterung sorgt.

Es sorgt dafür, dass Endorphine im Körper freigesetzt werden. Durch diese Glückshormone werden Schmerzen gelindert. Das heißt, dass es durchaus Sinn macht, dem Pferd Scheuerstellen anzubieten, damit es diesen Drang ausleben kann. Dein Pferd benötigt ein Ventil, um diesen Stress loszuwerden. Hat ein Pferd keine Möglichkeit, sich zu Scheuern, geht es im Zweifel an andere Pferde, um sich Abhilfe zu schaffen. Dies sorgt wieder unnötig für Unruhe und Streit. Es ist also ratsam, dem Pferd „entschärfte“ Schubbermöglichkeiten zu bieten. Dazu gehören Bäume ohne spitze Äste, Schubbermatten oder aufgehängte Bürsten, an denen sich ein Pferd kratzen kann, ohne sich zu verletzen.

Der Stress, in dem sich der Sommerekzemer quasi dauerhaft befindet, wirkt sich immer auch auf das Hormonsystem aus. Stresshormone wie Adrenalin und Dopamin sorgen dafür, dass die Gefäße und die Haut des Pferdes nicht mehr ideal durchblutet werden. Die Elastizität der Haut verschlechtert sich. Der ohnehin schon angeschlagene Zustand der Haut, die eh schon gestresst und entzündet ist, wird durch den Stress weiter negativ beeinflusst. Die Haut kann sich nicht mehr wehren und erneuern und kann leicht von Keimen, Hefen und Pilzen besetzt werden. Dadurch kann es zu Sekundärinfektionen kommen, die wiederum zusätzlich belasten und oftmals am Ende der extremen Phase im Sommer auftreten können.

Da das Pferd im Sommer oftmals nicht richtig zur Ruhe kommt, ist es wichtig zu überwachen, dass es genug Futter und Wasser zu sich nimmt. Wenn es sich den ganzen Tag über in seiner Schutzzone versteckt und sich nur Nachts zum Fressen und Trinken heraustraut, kann es zu großen Defiziten in der Raufutter- und Wasserversorgung kommen. Wir wissen, dass Stress und die Magengesundheit in direkter Verbindung stehen und in solchen Situationen leicht eine Magenschleimhautentzündung entstehen kann. Daher ist es wichtig, den Stress zu lindern und dem Pferd so viel Ruhe und Erholung wie möglich zu verschaffen.

Es gibt also viele Baustellen, die du bei deinem Ekzemerpferd unterstützen kannst.

Neben der eigentlichen Allergie und dem Immunsystem in ständiger Alarmbereitschaft, hast du es auch mit einer Entgleisung des Stoffwechsels, einem gestressten Magen-Darm-Trakt, der belasteten Haut und einem Hormon- und Nervensystem, das ständig auf 120% läuft, zu tun. Wie zur anstrengenden Silvesternacht ist es in der Akutphase des Sommerekzems wichtig, dem Pferd dabei zu helfen, den Stress zu verarbeiten. Du kannst z. B. Vitalpilze und Kräuter einsetzen, um den Histaminspiegel herabzusetzen oder zwischendurch entzündungshemmende und/oder stoffwechselanregende Kräuter verabreichen.

Hier gilt es, das richtige Maß zu finden, das Pferd zu beobachten und an den richtigen Punkten zur richtigen Zeit zu unterstützen. Gute Erfahrungen habe ich dabei mit der Schafgarbe gemacht. Sie ist eine typische Allergiepflanze, die dabei hilft, Freund von Feind zu unterscheiden.

Bewährt hat sich außerdem eine parallele Gabe von meinem Mikrobiom-Paket, das die Darmflora unterstützt und die Magenschleimhaut schützt.

Um dem Pferd den Umgang mit Stress zu erleichtern, können Taiga-Wurzel, Hopfen oder Melisse gegeben werden, um zu mehr Gelassenheit zu sorgen. Wichtig ist außerdem die ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und eine ausgewogene Ernährung, um den Mehrbedarf an Aminosäuren zu gewährleisten.

Aber auch du als Besitzer hast im Umgang mit deinem Sommerekzemer eine ganz wichtige Rolle. Mache dir bewusst, dass es sich um eine Phase handelt, die wieder vorbeigeht. Um die herausfordernde Zeit, in der du dein Pferd leiden siehst, zu überstehen, solltest du versuchen, diesen Stress gar nicht so sehr an dich heranzulassen. Dein Pferd spürt deine Anspannung und merkt ganz genau, wenn es auch dir nicht so gut geht. Das ist eine reine Übungssache und der richtige emotionale Abstand dazu ist für deine eigene Resilienz und deinen Energiehaushalt sehr wichtig. Du kannst und sollst dein Pferd positiv unterstützen.

Also gehe mit einer gewissen Ruhe, Gelassenheit und Entspannung an dein Pferd. Wenn du deinem Pferd in dieser schweren Phase helfen willst, Ruhe zu finden, kannst du ihm anbieten, es an bestimmten Stellen wie dem Widerrist zu kratzen. Versuche dabei, in das Pferd hineinzufühlen und seine Emotionen wahrzunehmen. Wie fühlt sich das Pferd? Wie fühlst du dich? Atme dabei ruhig und bewusst weiter und verringere nach und nach die Intensivität deines Kratzens, um deinem Pferd Ruhe und Entspannung zu vermitteln. Auch das ist eine reine Übungssache.

Versuche alle Arbeiten rund um das Sommerekzem für dich und dein Pferd zu einem angenehmen Ritual zu machen, ohne das Pferd zu bemitleiden, sondern eine positive Stimmung zu vermitteln. Zur Pflege von Sommerekzemern empfehle ich zum Waschen hautfreundliche Pflegeprodukte aus der Apotheke oder Drogerie, die einen pH-Wert von 5 – 5,5 haben. Zur Hautpflege eignen sich zum Beispiel Schwarznesselöl, Schwarzkümmelöl, Mandelöl oder Aloe-Vera-Gele, also Produkte ohne Duft- und Zusatzstoffe.

Für mich ist es außerdem absolut essentiell, ein Pferd, das unter Sommerekzem leidet, einzudecken. Ausnahmen bestätigen sicher die Regel aber ich würde immer dazu raten, dem Pferd eine gut passende, schützende Ekzemerdecke anzubieten. Diese schaffen eine unglaubliche Erleichterung für das Pferd. Eine gut sitzende und atmungsaktive Decke ist sicher eine große Investition, diese spart dir und deinem Pferd aber enorm viel seelische Belastung und Folgeaufwand.

Beachte in der Zeit des Sommerekzems, dass dein Pferd nicht zu 100% leistungsfähig sein wird. Das Ekzem belastet wie bereits erklärt den Stoffwechsel, die Organe und das Nervensystem. Habe also Nachsicht mit deinem Pferd. Achte darauf, Dinge mit ihm zu tun, die Spaß machen und gib ihm Aufgaben die es im Rahmen seiner Möglichkeiten auch lösen kann.

Hast du eigene Erfahrungsberichte zum Thema Sommerekzem oder Fragen zur Folge? Schreib mir gern eine Nachricht!

Deine

Vicky Hollerbaum

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